Fachstudien TCM

1. Ganoderma lucidum, ein pangäischer Wunderpilz?

2. Untersuchungen zu Taijiquan und Qigong

 

Ganoderma lucidum, ein pangäischer Wunderpilz?

Es gibt eine Reihe von höheren Basidiomyzeten (Ständerpilze), die krebshemmende (anti-kanzerogene), immunmodulierende, kardiovaskuläre, hypercholesterolemische, antivirale, antibakterielle oder antiparasitäre Effekte aufweisen. Ihre medizinische Verwendung hat eine lange Tradition in der Volksmedizin und gewinnt auch in der modernen Forschung an Bedeutung. (Wasser & Weis, 1999)

Nach Szedlay (2002) ist die taxonomische Identifikation von Ganoderma lucidum und seiner Verwandten nicht ganz einfach und führte schon vielfach zu Verwirrungen. So scheint es, dass Ganoderma lucidum sensu stricto nur in Europa vorkommt und nicht wie bisher angenommen weltweit. Die Stämme, welche in der medizinischen und pharmakologischen Literatur als Ganoderma lucidum angegeben werden, sind demnach wahrscheinlich verschiedene Ganoderma-Arten, die auch unterschiedliche pharmakologische Effekte aufweisen können.

In Asien ist der Ganoderma-Pilz unter verschiedenen Namen bekannt. So wird er in China Ling-Zhi, in Japan Re-shi genannt. In Europa kennt man ihn weiters unter dem Namen Lackporling.

Ganoderma lucidum hat antioxidative Eigenschaften

Zhu et al. (1999) untersuchten die antioxidativen Aktivitäten von Ganoderma lucidum Extrakten. Terpen- und Polysaccharidfraktionen dieser Extrakte zeigten bei einer Pyrogallol-induzierten Erythrocytenmembran-Oxidation und Fe (II)-Ascorbinsäure-induzierten Lipid-Peroxidation konzentrationsabhängige antioxidative Aktivitäten, wobei die Terpenfraktion am aktivsten war. Diese Terpenfraktion wurde anschließend chemisch isoliert und folgende Stoffe detektiert: Ganoderic acids A, B, C and D, Lucidenic acid B, sowie Ganodermanontriol.

Schützende Effekte von Ganoderma lucidum Polysaccharidpeptiden konnten auch You & Lin (2002) nachweisen. Sie verwendeten dazu Makrophagen (Fresszellen des angeborenen Immunsystems) der Maus und behandelten diese mit reaktiven Sauerstoffradikalen, sowohl in vitro als auch in vivo. Die Überlebensrate der Zellen dokumentierten sie mittels Zytotoxizitätstest (MTT-Assay), morphologische Veränderungen der Zellen wurden am Licht- und Elektronenmikroskop dokumentiert.

Ganoderma lucidum Polysaccharidpeptide konnten in steigenden Konzentrationen und bei 5 Tagen Behandlung, sowohl die Bildung von Schaumzellen (fettbeladene Makrophagen im arteriosklerotisch geschädigten Gewebe), als auch die Nekrose (eine Form des Zelltods) der Makrophagen unterbinden, sowie die Überlebensrate steigern. Die Bildbeobachtung am Elektonenmikroskop zeigte, daß die Pilzstoffe Zellorganellen der Makrophagen, wie Mitochondrien, gegen zell-schädigende Sauerstoffradikale zu schützen vermag. Ganoderma lucidum Polysaccharidpeptide wirken daher stark antioxidativ.

Ganoderma hat krebshemmende Eigenschaften

Ein wasserlösliches Extrakt vom Kulturmedium des Ganoderma lucidum-Mycels (MAK) wurde speziellen Mäusen zu trinken gegeben, um die Wirkung auf die Dickdarmkrebs-Entwicklung zu untersuchen. Vorerst wurde die Tumorenstehung in den Mäusen ausgelöst, indem man ihnen 10 Wochen lang 10 mg/kg Körpergewicht N,N-Dimethyhydrazin verabreichte. Anschließend wurden die Versuchstiere für weitere 10 Wochen auf Diät gesetzt mit oder ohne 5% MAK.

Die anschließende Untersuchung konnte zeigen, dass zwischen den beiden Diätgruppen keine signifikanten Unterschiede in der Zahl der Tumore, wohl aber in der Größe und ihrer Art (weniger PCNA positiv, weniger beta-catenin positive Tumorzellen) waren, sodaß angenommen werden kann, dass MAK ein potentes chemopreventives Agens bei der Dickdarmkrebs-Entwicklung sein kann (Lu et al., 2002).

Es zeigte sich auch, dass Ethanolauszüge von Ganoderma lucidum-Sporen eine hemmende Wirkung auf die Vermehrung (Proliferation) von Gebärmutterhals-Krebszellen (HeLa-Zellen) haben. Die Zytotoxizität wurde mittels Trypanblau und MTT-Test untersucht. Eine der untersuchten Fraktionen konnte den Zellzyklus der HeLa-Zellen unterbinden und die Kalzium-Level in der Zelle senken (Zhu et al., 2000).

Diese Beobachtung konnte durch Untersuchungen an einer Brsutkrebszelllinie (MCF-7 Zellen) bestätigt werden. Hierbei hemmte ein alkoholischer Auszug von Ganoderma lucidum das Prolifertionsverhalten von MCF-7 Zellen in einer Dosis- und Zeitabhängigen Art und Weise. Diese Hemmung wird eventuell durch eine Modulierung von Proteinen, die am Zellzyklus beteiligt sind bewerkstelligt. So wird durch die Behandlung das Protein p21 vermehrt hergetellt und Cylin D1 geht verloren. Darüber hinaus löst der Extrakt den Zelltod von MCF-7 Zellen durch Regulierung des pro-apoptotischen Bax-Proteins aus (Hu et al., 2002).

Unterdrückt die Invasivität von Brust- und Prostatakrebszellen

Ein weiterer zentraler Mechanismus bei der Entstehung eines bösartigen Tumors ist die Invasivität von Tumorzellen ins umliegende Gewebe und die damit verbundene Entstehung von Metastasen.

Silva et al. (2002) untersuchten die molekularen Vorgänge, welche die Motilität (Beweglichkeit) von hoch invasiven humanen Brustkrebszellen gewährleisten. Hierbei regulieren zelluläre Signalwege (Moleküle PI3K und PKB), sowie Transkriptionsfaktoren (NF-kappaB) die Ausschüttung des Urokinase-Typ Plasminogen Aktivators (uPA).

Auszüge aus Sporen oder getrockneten Fruchtkörpern von Ganoderma lucidum hemmen die ansonsten permanent aktiven Transkriptionsfaktoren AP-1 und NF-kappaB in Brust MDA-MB-231 und Prostata PC-3 Tumorzelllinien und somit auch die Bildung von uPA und dessen Rezeptors (uPAR), sowie die Ausschüttung von uPA. Dies resultiert in einer Inhibition der Motilität von ansonsten hoch invasiven Brust- und Prostata-Tumorzelllinien.

Ganoderma regt das Immunsystem an

Zhang et al. (2002) vom Institut für Molekularbiologie und Biochemie der Universität Berlin isolierten aus Ganoderma lucidum ein bioaktives Proteoglycan namens GLIS mittels schrittweiser Chromatographie.

GLIS stiegerte die Vermehrung von B-Lymphozyten der Milz um das drei bis vierfache. B-Zellen sind wichtige Zellen des Immunsystems, welche für die Antikörper-Produktion im Körper verantwortlich sind. Diese B-Zellen waren größer und expremierten wichtige Oberflächenmoleküle wie CD71 und CD25, sowie wiesen eine gesteigerte Antikörper-Produktion auf. Auch wichtige Signalwege in der Zelle waren nach GLIS-Behandlung aktiviert. So war die Expression der Serin_Threonin-Kinasen PKC alpha und PKC gamma gesteigert. GLIS erweißt sich so als B-Zell stimulierender Faktor bei Mäusen.

Bao et al. (2002) von der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai wiesen einen T-Zell-stimulierenden Faktor in einem Extrakt von Ganoderma-Sporen nach. Dazu aktivierten sie die T-Lymphozyten (mit Concanavalin A) mit und ohne Beigabe des Extrakts.

Mittels gängiger biochemischer Verfahren isolierten sie anschließend ein Kohlenhydrat, welches sie durch Bildgebende Verfahren wie NMR Spektroskopie und andere als beta-D-(1,3)-glucan mit Verzweigungen von terminalen Glucosyleinheiten am C-6 der Glucoseeinheit der Hauptkette identifizieren konnten.

Epilog

Dieser Ausschnitt wissenschaftlicher Ergebnisse, zeigt eindrucksvoll das Potenzial dieses wunderbaren Pilzes. In der TCM wird er seit langem als vielfältiges Heilmittel eingesetzt. Er wird in Seng Nongs Kräuterklassiker als Erste-Klasse-Droge eingestuft. Das heißt, dass nach Seng Nong die sechs damals bekannten Ganoderma Arten (mit sechs verschiedenen Farben) ohne Nebenwirkungen, über einen längeren Zeitraum eingenommen, Lebensverlängernd wirken.

Li Shi Zhen, ein berühmter Mediziner aus der Ming-Dynastie (1368-1644), veröffentlichte die konkreten Indikationen der sechs Ganoderma-Arten. Daoistischen Einsiedlern war er gar so heilig, dass manche von ihnen sich aufmachten und sich ihr Leben lang auf die Suche nach einem dieser Pilze, vor allem in seiner geweihähnlichen Form, welche sich wahrscheinlich unter Lichtarmut und erhöhtem CO2-Partialdruck entwickelt, begaben.

In Asien wird der Pilz in großen Mengen kultiviert und an den Universitäten intensiv erforscht. Der Pilz scheint auf Grund der relativ leichten Kultivierbarkeit und seiner langen Haltbarkeit eine ideale Volksmedizin zu sein und es bleibt zu hoffen, daß durch weitere Untersuchungen die Einsetzbarkeit dieses Heilmittels auch im Westen konkretisiert wird.

Referenzen

X.F. Bao et al. (2002): Purification, characterization, and modification of T lymphocyte-stimulating polysaccharide from spores of Ganoderma lucidum. Chem Pharm Bull 50:623-629.

H. Hu et al. (2002): Ganoderma lucidum extract induces cell cycle arrest and apoptosis in MCF-7 human breast cancer cell. Int J Cancer 102:250-253.

H. Lu et al. (2002): Prevention of development of N,N'-dimethylhydrazine-induced colon tumors by a water-soluble extract >>from cultured medium of Ganoderma lucidum (Rei-shi) mycelia in male ICR mice. Int J Mol Med 9:113-117.

D. Sliva et al. (2002): Ganoderma lucidum suppresses motility of highly invasive breast and prostate cancer cells. Biochem Biophys Res Commun 298:603-612.

G. Szedlay et al. (2002): Is the widely used medicinal fungus the Ganoderma lucidum (Fr.) Karst. sensu stricto? Acta Microbiol Immunol Hung 49:235-43.

S.P. Wasser et al. (1999): Therapeutic effects of substances occurring in higher basidiomycetes mushrooms: a modern perspective. Crit Rev Immunol 19:65-96.

Y.H. You et al. (2002): Protective effects of Ganoderma lucidum polysaccharides peptide on injury of macrophages induced by reactive oxygen species. Acta Pharmacol Sin 23:787-791.

J. Zhang et al. (2002): Activation of B lymphocytes by GLIS, a bioactive proteoglycan from Ganoderma lucidum. Life Sci 71:623-638.

H.S. Zhu et al. (2000): Effects of extracts from sporoderm-broken spores of Ganoderma lucidum on HeLa cells. Cell Biol Toxicol 16:201-206.

M. Zhu et al. (1999): Triterpene antioxidants from Ganoderma lucidum. Phytother Res 13:529-531.

Untersuchungen zu Taijiquan and Qigong

IN BEARBEITUNG!

1: Thornton EW, Sykes KS, Tang WK. Health benefits of Tai Chi exercise: improved balance and blood pressure in middle-aged women. Health Promot Int. 2004 Mar;19(1):33-8. PMID: 14976170 [PubMed - indexed for MEDLINE]

2: Verhagen AP, Immink M, van der Meulen A, Bierma-Zeinstra SM. The efficacy of Tai Chi Chuan in older adults: a systematic review. Fam Pract. 2004 Feb;21(1):107-13. Review. PMID: 14760055 [PubMed - indexed for MEDLINE]

3: Liu Y, Mimura K, Wang L, Ikuda K. Physiological benefits of 24-style Taijiquan exercise in middle-aged women. J Physiol Anthropol Appl Human Sci. 2003 Sep;22(5):219-25. PMID: 14519910 [PubMed - indexed for MEDLINE]

Expressions-Analyse gibt Aufschluß über Zustand von Falun Qigong-Praktizierenden

In dieser Arbeit untersuchten Li et al. (2005) die Gen-Expressions-Muster von Probanden, die Falun Qigong praktizieren und verglichen die Expressionswerte mit einer gesunden, nicht praktizierenden Vergleichsgruppe.

Eine kleine Einführung über die Technik

Unter einem Genexpression-Muster versteht man das Set an Genen, die in einer bestimmten Zelle bzw. einem Zelltyp in funktionelles Protein umgeschrieben wird. Im Fluß der genetischen Informationen gibt es zwischen dem (mehr oder weniger) stabilen Erbträger DNA noch einen kurzlebigen Vermittler, nämlich die RNA. Dies bedeutet, dass man anhand der RNA ablesen kann, welche Gene aktiviert sind. Diese Genexpression kann man mit neuesten Verfahren mittel einem so genannten Gene Array sichtbar machen.

Ziel der Untersuchung

Ziel dieser Studie war es das genomische Profil von neutrophilen Blutzellen mit und ohne Praktizierung von Falun Qigong zu untersuchen. Eine Gruppe praktizierte regelmässig Falun Qigong (1 bis 5 Jahre), die Vergleichsgruppe beinhaltete gesunde Probanden, die kein Qigong oder Ähnliches praktizierten. Es wurden Gene Array Experimente, ein RNase-Protektions-Test, sowie zwei funktionelle Tests (ein Phagocytose-Test und ein Apoptose-Assay) durchgeführt.

Falun Qigong-Praktizierende zeigten eine Steigerung ihrer Immunität, einen erniedrigten zellulären Stoffwechsel und Änderungen in apoptotischen Genen bei Auflösung einer Entzündungsreaktion. Die Lebensspanne von normalen Neutrophilen war verlängert, während inflammatorische Neutrophile schneller abstarben. Im funktionellen Test zeigte sich, dass die neutrophile Phagozytose (die aktive Aufnahme von Partikeln in die Zelle, z. B. zum Eliminieren von Krankheitserregern) in der Qigong-Gruppe signifikant erhöht war.

Conclusio

Mögliche Konklusionen, die sich daraus ergeben ist, dass Qigong das Immunsystem regulieren und einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel und das Ueberleben der Körperzellen haben kann.

Referenz

Li et al. (2005): Genomic profiling of neutrophil transcripts in Asian Qigong practitioners: a pilot study in gene regulation by mind-body interaction. J Altern Complement Med. Feb;11(1):29-39.

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